Lindenblüten

Im Zentrum der Stadt auf einem Stein,
herum die Maschinen sich schoben.
Stand ratternd ein Mann auf einem Bein,
starr der Blick ohne Kraft gehoben.

Die Augen brannten gelb von der Sonne,
ein brüllendes Eisenstück sein Herze,
Dieser Tag versprach ihm keine Wonne,
bloß eine Pfütze aus Öl und eine Kerze.

Der einzig Gedanke in diesem Mann,
was die Welt wohl mit ihm ersann.
Unter seinen Füßen bebte der Asphalt,
im Traum schwebte er doch ohne Halt.

Keiner schaute auf den nackten Gigant,
nur eine Frau mit buschigem Schwanz.
Einer Katze gleich schlich sie galant
und forderte den Riesen auf zum Tanz.

Schwach war er und so nah der Stille.
Sie hauchte ihm Feuer in die Lunge,
in Hoffnung es rege in ihm den Wille,
auf dass er bewege seine rote Zunge.

Geräusche drangen leise an ihr Ohr,
doch keine Worte irgendeiner Sorte.
Sie führte ihn hinweg durch das Tor,
hinweg zum Wald im weiten Norte.

In Nacht gehüllt begann er zu genesen,
teilte mit ihr seinen Rauch und Wein.
Sie nährte ihn mit Milch und Krebsen,
begann zu erzählen von ihrem Sein.

Er kannte der Welten Asphalt und Staub,
denn sein Atem roch nach Feuer und Teer.
Yasmin und Tauben lagen unter ihrem Laub,
sie duftet nach Tannen und weißem Meer.

Gütig zog der kalte Mond ins Land
und die Vertrauten woben ein Band.
Eine Berührung war der Blicke Schluss,
Zärtlichkeit gebar ihren ersten Kuss.

Eines Morgens gingen beide zum Bach.
Sie teilten einander das hehre Wort,
tranken das Wasser an jenem Hort.
Ihre Seelen labten sich frisch und wach.

Dann begann das Wirken und Wallen.
Aus all ihren Gliedern sprossen Triebe.
Hier sollten sie einig werden oder fallen.
Sie umschlungen sich mit ganzer Liebe.

Haar wuchs hin zu einer wilden Krone,
Beine wurzelten in dem saftigen Grund.
Haut ward Borke der Schoß zum Trohne,
Blüten und Blätter taten es allen Kund.

Gewachsen aus ihnen war eine Linde,
Geschick und Zeit konnte sie binde.
Um Schutz zu geben neuen Leben,
hatten sie sich einander gegeben.

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